Michael Hinzmann-Schwan
© Jürgen Schindler
Michael Hinzmann-Schwan

Ruhestand für Notfallseelsorger

Michael Hinzmann-Schwan verabschiedet sich am 30. Oktober in der Dankeskirche Holtenau.

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Um Mitternacht reißt ihn das Telefon aus dem Schlaf, ein Notarzt ist dran und bittet Pastor Michael Hinzmann-Schwan um Hilfe. Das war sein erster Einsatz als Notfallseelsorger, vor fast 30 Jahren. Diese Hilfe für Menschen in Ausnahmesituationen hat Hinzmann-Schwan praktisch sein ganzes Berufsleben begleitet. Nun geht der Pionier der Notfallseesorge in Schleswig-Holstein in den Ruhestand. In einem Gottesdienst am Sonntag, 30. Oktober, um 14.30 Uhr in der Dankeskirche Kiel-Holtenau entpflichtet ihn Pröpstin Almut Witt von seinem Dienst. Beim "Blaulichtgottesdienst" kommen dann am Montag, 14. November, um 18 Uhr die Mitarbeitenden der Notfallseelsorge in der Jakobikirche an Knooper Weg zusammen und sagen Tschüs.

Warum der Notarzt damals ausgerechnet ihn angerufen hat? "Meine Frau war Ärztin an der Klinik und ist selber Einsätze gefahren. So kam der Draht zum Krankenhaus zustande", blickt Michael Hinzmann-Schwan zurück. Sein Kollege Kai Gusek hatte Verbindungen zur Feuerwehr. Als logische Konsequenz daraus bauten die Pastoren die erste Notfallseelsorge in Nordfriesland auf. Ein Beispiel, das Schule machte und heute im ganzen Land nicht mehr wegzudenken ist. "Wenn Leute geschockt sind, alleine nicht mehr weiterkommen, dann versucht man zu helfen, hört zu und denkt mit", beschreibt Hinzmann-Schwan den Dienst als Notfallseelsorger. Mehrere hunderte Einsätze hat er hinter sich, hat Menschen beigestanden nach schweren Verkehrsunfälle, unfassbaren Selbstmorden, in Situationen, die Betroffene und Hilfskräfte an den Rand bringen. Darüber hinaus hat Hinzmann-Schwan viel organisiert und koordiniert. Über die Jahre hat er Seminare gehalten und darin Pastorinnen und Pastoren für die Notfallseelsorge geschult. Noch immer trägt er den Pieper der Leitstelle am Gürtel, jeden Moment kann es losgehen. "Ich hab‘ das Glück, dass ich selbst mitten in der Nacht schnell wach werde, losfahren kann, danach mich wieder hinlegen und gleich einschlafen kann", erzählt Hinzmann-Schwan.

Doch die Einsätze und die Koordination waren für den Pastor immer nur ein Teil seiner Arbeit. In Kiel arbeitet der 65-Jährige heute zusätzlich in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Holtenau. Davor war er in den Stadtteilen Suchsdorf, in Mettenhof und vertretungsweise an der St. Nikolaikirche am Alten Markt aktiv. "Mein Herz hing immer auch an der Arbeit als Gemeindepastor", sagt Hinzmann-Schwan. Die Gitarre um den Hals, mit Kinder und Jugendlichen singen: An verschiedenen Orten hat der Pastor christliche Pfadfindergruppen gegründet. Sein allererster Stamm, die "Lecker Falken", zählt heute zu den größten in Schleswig-Holstein. Seinen Draht zu jungen Leute hat er seit dem Zivildienst, den er in Kiel beim "Christlichen Verein Junger Menschen" geleistet hat. Damals, 1976, dachte er noch daran, Architekt oder Kunstlehrer zu werden. "Aber dann stellt sich heraus, dass Theologie doch die bessere Wahl war - obwohl ich überhaupt kein Talent für alte Sprachen, für Latein und Hebräisch hatte", lacht er heute.

Seine Begabung für Kunst hat eher nebenher ausgelebt. "Vor drei Jahren hat mir meine Frau einen Wochenendkurs für Holzbildhauerei geschenkt. Und dann habe ich weitergemacht", erzählt Hinzmann-Schwan. Vor ihm steht sein jüngstes Werk: ein Kind zusammengekauert, die Arme zu Schutz um den Kopf geschlungen. Auch den biblischen Turmbau zu Babel hat er schon mit Stechbeitel und Holzhammer umgesetzt. Die Kreativität wird ihn genauso in den Ruhestand begleiten, wie der Spaß am Garten. Seine weiteren Pläne: "Also, ich will das Segeln wieder anfangen, nächsten Sommer vor Stockholm durch den Schärengarten. Und vielleicht schaffen wir uns noch mal einen Hund an."

Jürgen Schindler,