Uwe Hagge
© Jürgen Schindler
Pastor Uwe Hagge

Nach 30 Jahren Gaarden

Der Gaardener Pastor Uwe Hagge verabschiedet sich in den Ruhestand.

Übersicht aller Nachrichten

"Wo ist die Zeit geblieben", fragt sich Pastor Uwe Hagge selbst. Nach 30 Jahren in der Kirchengemeinde Gaarden auf dem Kieler Ostufer geht er in Ruhestand. Der Theologe verabschiedet sich im Gottesdienst am Sonntag, 9. Oktober, um 14 Uhr in der St. Johanneskirche (Schulstraße 30).

So wirklich lange muss Hagge nicht nachdenken, wo die letzten 30 Jahre geblieben sind. Kaum hatte er 1992 seine erste feste Stelle als Pastor in Gaarden angetreten, verkaufte er das stark sanierungsbedürftige Gemeindehaus. "Und dann haben wir in vier Jahren ein neues Gemeindehaus direkt an der Kirche hochgezogen", erinnert er sich. Dort gab der Pastor über viele Jahre Deutschkurse, für geflüchtete Menschen aus Irak und Iran, für Aussiedler aus Russland, für aus Afrika Geflohene. Auch zur Moschee in der Nachbarschaft entstanden Kontakte. "Da habe ich schon Herzensblut reingesteckt", erklärt Hagge.

An der Johanneskirche etablierte sich auf diese Weise die afrikanische Gemeinde "Amour de Dieu" und steckte den Pastor mit dem Gospelfieber an. Die Folge: Hagge gründete 2006 den Gospelchor Gaarden, den er bis heute leitet. "Und ich habe erlebt, wie Menschen auf diese Musik anspringen, wie Leute darüber zur Kirche finden, die bisher keine Beziehung zum Glauben hatten." Rund 25 Mitglieder hat der Chor zurzeit und Hagge möchte ihn auch im Ruhestand fortführen. Das Konzert "Gospelweihnacht" am 17. Dezember ist schon gesetzt.

Auf die Kanzel der St. Johanneskirche möchte der Theologe aber nicht zurückkehren. "Dort habe ich in den vergangene 30 Jahren versucht, den Leuten rüberzubringen, was mir am Herzen liegt." Hin und wieder sei daraus ein Dialog mit den Gottesdienstbesuchern entstanden. "Und das ist gut so. Schließlich ist eine Predigt ja kein Vortrag", findet Hagge. Bis heute macht ihm sein Beruf viel Freude: "Weil Menschen helfen, dass konntest du in Gaarden immer. Ihnen vermitteln, dass der Glaube dich trägt." Das findet Hagge eine sinnvolle Arbeit und gerade in einem Stadtteil, in dem viele bedürftige Menschen leben, besonders wichtig.

Zugang zu den Leuten, hat der Pastor oft über die Kinder gefunden. Alle 14 Tage besuchte er die Evangelische Kindertagesstätte in der Stoschstraße. Immer dabei sein Stofftier, der Rabe Abraxas: "Ein wirklich sehr, sehr freches Tier", lacht Hagge. "Die Arbeit mit den Kindern hat mich jung gehalten und absolut Spaß gebracht." Sonntags ging es dann im Familientreff, mit kurzem Gottesdienst um 11 Uhr in der St. Johanneskirche, anschließendem Snack und Helferteam weiter.

Seine vier eigenen Kinder sind längst erwachsen und aus dem Haus. Eine seiner Töchter lebt gerade in Uruguay, in Südamerika. "Die werde ich im Ruhestand besuchen. Statt das Krippenspiel anzuleiern, startet Anfang November mein Flug nach Montevideo", freut sich Hagge.

Um "seine" Kirchengemeinde ist ihm nicht bange. Fast nahtlos tritt sein Nachfolger, Pastor Mario Rusch-Langkafel, seinen Dienst in Gaarden an, am 1. Advent wird dann ein neuer Kirchengemeinderat gewählt. Uwe Hagge meint: "Das ist eine Zäsur und ein guter Zeitpunkt, um alles gut zu übergeben und sich zu verabschieden."

Jürgen Schindler,