Kita Hoppetosse
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Kita Hoppetosse

Kita Hoppetosse

Fragen und Antworten zur Situation in Kiel-Holtenau

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Unsere Ev. Kindertagesstätte Hoppetosse im Kieler Stadtteil Holtenau kommt seit einigen Wochen nicht zur Ruhe. Eltern sind besorgt, weil in den Räumen eine erhöhte Konzentration an Formaldehyd gemessen worden ist. Außerdem hat das Kitawerk Altholstein die beiden Krippengruppen geschlossen.

Bei allen verständlichen Sorgen und Befürchtungen sind - aus unserer Sicht - auch einige schlichtweg falsche Behauptungen im Umlauf. Deshalb haben wir wichtige Fragen und Antworten zusammengetragen.

Fragen & Antworten

Warum ist Formaldehyd in der Hoppetosse jetzt ein Thema?

In der Hoppetosse müffelt es - und zwar schon ewig. Im Jahr 2024 sind Eltern auf uns zugekommen, weil ihre Kinder über Kratzen im Hals und Husten klagten, sie müde waren oder Kopfschmerzen hatten. Wir wollten wissen, ob es einen Zusammenhang zur schlechten Luft in der Hoppetosse gibt. Deshalb gab es im Sommer 2024 in mehreren Räumen Messungen des Landesamtes für Arbeitsschutz, Soziales und Gesundheit.

In allen gemessenen Räumen lag im Juli 2024 die Menge an Formaldehyd über dem sogenannten Richtwert I, nämlich zwischen 160 und fast 230 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Richtwert I liegt bei 100 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Sind Werte über 100 Mikrogramm Formaldehyd gesundheitsschädlich?

Beim Richtwert von 100 Mikrogramm besteht keine Gefahr für die Gesundheit, selbst dann nicht, wenn man täglich und sein ganzes Leben lang dieser Konzentration ausgesetzt wäre. Das gilt auch für Kinder oder Schwangere. Das hat uns das Landesamt für Arbeitsschutz, Soziales und Gesundheit schriftlich gegeben. Die ersten Werte aus der Hoppetosse gaben jedoch „Anlass zur Besorgnis“, weshalb wir als Träger der Kita Empfehlungen erhalten haben, um die Raumluft zu verbessern.

Was hat der Träger getan, um die Luft in der Hoppetosse zu verbessern?

Wir haben uns strikt an ein Lüftungskonzept gehalten (Fenster auf!) und CO2-Ampeln aufgestellt. Außerdem haben wir Wandlüfter eingebaut. Die Empfehlung Faser- oder Spanplatten auszutauschen, haben wir nicht umgesetzt - nach Rücksprache mit dem Landesamt. Sonst hatten wir konsequenterweise alle Innenraumwände herausreißen müssen.

Ist die Luft in der Hoppetosse heute besser als vor einem Jahr?

Die Luftqualität in der Hoppetosse ist besser geworden - aber nicht so gut, wie wir es uns erhofft hatten. Bei einer Messung im November 2024 lag der Formaldehyd-Wert im Schnitt unter 100 Mikrogramm, teilweise deutlich. Zu dem Zeitpunkt waren die Wandlüfter noch nicht eingebaut.

Im Juli 2025 lagen die Werte aber wieder höher, in einem Raum bei 140 Mikrogramm, in den übrigen nur knapp über dem Richtwert I.

Werte um 100 Mikrogramm ergab eine weitere Messung wenig später in den Räumen der Elementargruppen. Das lässt den Schluss zu, dass die Formaldehyd-Konzentration klimabedingt zum Sommer steigt und zum Herbst / Winter wieder sinkt.

Welche Konsequenz folgt aus den aktuellen Messungen?

„Daher ist aus Sicht des vorbeugenden Gesundheitsschutzes von einer längerfristigen Nutzung der Räume abzuraten.“ So lautet wörtlich die Empfehlung des Landesamtes für Arbeitsschutz, Soziales und Gesundheit nach der Messung in den Elementarräumen. Im gleichen Bericht findet sich ebenso die Formulierung, dass „keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit zu besorgen“ ist. Die Schadstoffkonzentration stelle jedoch eine „unerwünschte, zusätzliche Belastung“ dar, die nicht länger als 12 Monate toleriert werden soll.

Wie geht es weiter mit der Kita Hoppetosse?

Wir haben uns auf die Suche nach alternativen Räumen gemacht - und dank der Kompasskirchengemeinde auch gefunden. Die Kompasskirchengemeinde stellt uns ihr Gemeindehaus in Holtenau komplett zur Verfügung, damit wir dort die Kinder der Elementargruppen betreuen können. Das freut uns sehr. Das Gemeindehaus soll als Übergangsquartier dienen, bis es in Holtenau einen Kita-Neubau gibt. Bevor der Umzug starten kann, müssen aber noch zwei Dinge erledigt sein:

  1. Wir brauchen eine offizielle Betriebserlaubnis für das Gemeindehaus.
  2. Wir müssen noch das ein oder andere herrichten, damit die Voraussetzungen für eine sichere Betreuung der Kinder gegeben sind.

Wir wünschen uns, dass wir noch in diesem Jahr umziehen - können das aber nicht versprechen.

Warum sind die Krippengruppen schon im August geschlossen worden?

Die Messergebnisse im August 2025 haben uns gezeigt, dass wir aus Vorsorge dauerhaft keine Kinder mehr in den Räumen unterbringen wollen. Außerdem war der Zeitpunkt „relativ günstig“.

  1. Nur zwei Kinder, die wir bereits vor den Sommerferien betreut hatten, hatten noch keinen neuen Platz.
  2. In Kiel gibt es im Augenblick mehr freie Krippenplätze als nachgefragt werden.
  3. Schließlich konnten wir die „Neuzugänge“ dabei unterstützen, alternative Plätze zu finden. Sie wären erst nach und nach in Hoppetosse aufgenommen worden, bis Februar 2026.

Warum ist die Raumluft in der Hoppetosse nicht schon vor 2024 untersucht worden?

Es gab 2017 eine Messung im Büro der Kita-Leitung. Die Konzentration an Formaldehyd lag zu diesem Zeitpunkt bei 160 Mikrogramm und die Empfehlung lautet lediglich: verstärktes Lüften. Die Messergebnisse haben wir damals auch an zuständige Stellen weitergegeben.

Anscheinend ist niemand 2017 auf die Idee gekommen, auch in den anderen Räumen zu messen. Das war aus heutiger Sicht ein großes Versäumnis.

Auch können wir uns im Nachhinein nicht erklären, wer den Eltern zugesichert hat, dass es fortan regelmäßige Messungen gibt. Diese Untersuchungen hat es nie gegeben - bis 2024.

Für diese Versäumnisse entschuldigen wir uns in aller Form. Heute tun wir alles, um das aufzuarbeiten und aus den Fehlern zu lernen.

Jürgen Schindler,