
Ein Licht für Tungendorf
Anika Schröder und Thorsten Kreutz kandidieren zur Kirchenwahl in der Andreasgemeinde.
Übersicht aller NachrichtenWer in Neumünster Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche ist und mindestens 14 Jahre alt, darf mitstimmen, insgesamt 33.333 Menschen. In den elf Kirchengemeinden der Stadt findet am 1. Advent (27. November) die Kirchenwahl statt. Dabei geht es darum, insgesamt 93 Kirchengemeinderäte zu bestimmen. Sie haben das Sagen darüber, was in den einzelnen Kirchengemeinden läuft.
In der Ev.-Luth. Andreasgemeinde im Stadtteil Tungendorf stehen unter anderem Anika Schröder und Thorsten Kreutz auf dem Stimmzettel. Für Anika Schröder ist das dort eine Premiere. "Das ist eine tolle Chance, mitzuwirken und mitzugestalten", findet die 35-Jährige. Mit ihr kandidieren sechs weitere Frauen und Männer zum ersten Mal. "Wenn mich im Februar jemand gefragt hätte, ob ich weitermache, hätte ich bestimmt nein gesagt", meint Kreutz. Schon seit mehr als acht Jahren gehört er dem Kirchengemeinderat an. Zu groß sei manchmal das Arbeitspensum gewesen, für seine Familie oft an der Belastungsgrenze.
Der Kirchengemeinderat kommt in der Regel zur Sitzung zusammen. Obendrauf gehören die Vorbereitung und die Mitarbeit in Ausschüssen. Thorsten Kreutz hat sich beispielsweise im Gremium für die Pfarrstellenplanung und in der Synode des Kirchenkreises Altholstein und im Kirchengemeindeverband Neumünster engagiert. "Ich habe echt eine Überdosis Gremienarbeit abbekommen", seufzt er. Und trotzdem kandidiert Kreutz aus Überzeugung erneut für sechs weitere Jahre im Kirchengemeinderat.
"Ich möchte mich für Angebote für Menschen in der Mitte des Lebens einsetzen", betont der 49-Jahre alte Familienvater. "Ein Männerkreis, Gruppen, die zusammen Gartenarbeit machen, ins Kino gehen oder Fußball gucken." Mit brennender Begeisterung spricht Kreutz davon, dass Kirche im Stadtteil interessant bleiben und werden müsse. "Ihr seid das Licht der Welt", zitiert er Jesus aus der Bibel. Dieses Licht wolle er auch in Tungendorf zum Leuchten bringen.
An diesem Punkt treffen sich die Absichten der beiden Kandidaten. Anika Schröder hat beobachtet: "Es tut sich ein Krater auf in der Kirchengemeinde. Für die Jugendlichen ist alles top, großes Kino, viele Angebote. Aber danach bricht es ab und man fällt in ein Loch." Daran möchte sie etwas ändern, falls sie in den Andreas-Kirchengemeinderat gewählt wird. Es müsse Orte und Momente außerhalb der Gottesdienste geben, wo man Gemeinschaft erleben kann. Für neue Leute will sie die Hemmschwelle senken, die Gemeinde kennenzulernen.
Auch das verbindet die beiden Kandidaten: Sie schätzen die Gemeinschaft unter dem Kirchturm in Tungendorf. Anika Schröder kam schon in jungen Jahren mit dem Kindergottesdienst in Kontakt, machte später eine Ausbildung zur Erzieherin an einer evangelischen Fachschule und arbeitet heute in der kirchlichen Vicelinkita. "Der Glaube begleitet mich mein Leben lang, ist meine Basis und die Gemeinde mein Zuhause", erklärt sie.
Kreutz schwärmt vom Zusammenhalt im scheidenden Kirchengemeinderat: "Wir waren eine tolle Truppe mit einer super Streitkultur und hatten einfach eine gesegnete Zeit." Deshalb würde er sich gerne wieder in die Arbeit stürzen. Und was, wenn er nicht gewählt würde? Kreutz denkt kurz nach: "Das wäre schon ein Schock. Das wär ‘n Drops."
In der Andreasgemeinde treten dreizehn Bewerberinnen und Bewerber an. Nur elf von ihnen werden den neuen Kirchengemeinderat stellen, plus Pastor. Jeder, der dort zur Wahl geht, darf 11 Stimmen abgeben.
Jürgen Schindler,


