Mia am Mikrofon
© Jürgen Schindler
Mia (am Pult) berichtet von ihren Vorstellungen von Klimaschutz

Synode stellt Weichen auf Klimaschutz

Bericht von der Sitzung der Synode Altholstein am 26. August 2022

Übersicht aller Nachrichten

Der Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein macht beim Klimaschutz einen weiteren, großen Schritt nach vorne. Bereits im Jahr 2027 sollen beispielsweise alle Gebäude insgesamt zu 50 Prozent mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Dieses Ziel setzt ein umfangreicher Klimaschutzplan der Nordkirche, den sich die Synode des Kirchenkreises Altholstein mit großer Mehrheit am Freitag, 26. August, in Kiel zu eigen gemacht hat.

Klimaschutzplan

Bei der Kirchenheizung geht es nicht unbedingt darum, die Kirche warm zu machen“, stellt Julia-Maria Hermann klar. Diesen Zahn zieht die Klimaschutzfachkraft des Kirchenkreises Altholstein gleich auf der Sitzung der Synode in der Kieler Petruskirche. Es gehe vielmehr darum, dass die Einrichtung, etwa die Orgel oder wertvolle Kunst, keinen Schaden nehmen. Und selbstverständlich um Klimaschutz und Energiesparen. „Aber, wenn die Leute im Gottesdienst frieren, dann bleiben viele bestimmt zuhause“, wendet ein Mitglied der Synode ein. Doch mit vagen Absichtserklärungen soll nun Schluss sein, das Altholsteiner Kirchenparlament will beim Klimaschutz Nägel mit Köpfen machen. Im Fall der Temperatur in Kirchen wirbt Hermann für Kommunikation: „Sagen Sie Ihren Gemeindemitgliedern ganz deutlich, wie hoch die Heizkosten sind, und was Sie mit diesem Geld zum Beispiel in der Jugendarbeit machen könnten.“ Eine andere Idee, die auf der Sitzung der Synode aufkommt: reihum nur eine Kirche in einer Region beheizen und dort Gottesdienst feiern. „Viele Menschen wärmen sich dabei auch gegenseitig“, meint eine Synodale.

Dass Kirche beim Klimaschutz dringend mehr als bisher tun muss, macht auch Mia aus Bönebüttel bei Neumünster klar. Die Schülerin der 9. Klasse hat am Projekt „Klima-Sail“ der Nordkirche teilgenommen. Sie steht in der Petruskirche vor dem Plenum und erzählt, wie die Jugendlichen die letzten Kilometer zum Camp zu Fuß gegangen sind, anstatt mit dem Gemeindebus zu fahren. Wie sie sich konsequent vegetarisch ernährt haben. Konkret fordert Mia: „Klimaschutz muss vor Denkmalschutz gehen. Wir schaden den Kirchengebäuden doch nicht, wenn wir Solarplatten auf die Dächer schrauben.“

Zur Sitzung der Synode ist auch der Schleswiger Bischof Gothart Magaard angereist. Er ermutigt das Altholsteiner Kirchenparlament, sich trotz aller Krisen dem Klimaschutz zu widmen und Weichen zu stellen. „Der Klimaschutzplan der Nordkirche sieht vor, dass wir bis 2035 Treibhausgas-neutral werden. Das ist extrem ambitioniert, wir brauchen Beharrlichkeit und Entschlossenheit. Aber es kann gelingen, wenn Landeskirche, Kirchenkreise und Gemeinden miteinander kooperieren und strategische Konzepte entwickeln.“ Magaard weist ausdrücklich darauf hin, dass dazu auch der Bestand der Gebäude merklich reduziert werden müsse. Innerer Motor könne für eine christliche Gemeinschaft die Bewahrung der Schöpfung sein, die Generationengerechtigkeit und die weltweite Solidarität.

Diskussion um Grundzuweisung für Gemeinden

Für kontroverse Diskussionen sorgen bei der Sitzung der Synode ausgerechnet zwei eher unscheinbare Tagesordnungspunkte. Bei der Änderung der Finanzsatzung soll die sogenannte Grundzuweisung an die Kirchengemeinden verändert werden. Bisher erhält jede Kirchengemeinde den gleichen Grundbetrag X plus eine Summe, die sich aus der Zahl der Gemeindeglieder berechnet. Das Verhältnis von Grundzuweisung zu Zuweisung-pro-Kopf betrug bisher 15 zu 85 Prozent. In Zukunft sinkt nun die Grundzuweisung auf 10 Prozent, die Zahl der Gemeindeglieder schlägt also mit 90 Prozent höher zu Buche. „Das geht doch dahin, dass kleinere Kirchengemeinden weniger Geld haben. Wo können denn kleine Gemeinden noch sparen?“, fragt der Brügger Pastor Henry Koop. Pröpstin Almut Witt stellt klar, dass das bisherige Modell Fusionen von Kirchengemeinden verhindern würde: „Ich höre immer wieder: ‚Wir wären doch blöd, wenn wir fusionieren und dann eine Grundzuweisung aufgeben müssten.‘ Vielleicht macht diese Änderung der Finanzsatzung auch Mut, dort wo es gut passt, auf eine Fusion zuzugehen.“ Mit Mehrheit folgt die Synode diesem Blickwinkel. Der gefasste Beschluss sieht außerdem vor, dass nach einer Gemeindefusion noch fünf Jahre die bisherigen Grundzuweisungen ausbezahlt werden. Umgekehrt gilt: Falls fusionierte Kirchengemeinden sich trennen, müssen sie sich die bestehende Grundzuweisung teilen.

Zukunft der Citykirchenarbeit an St. Nikolai

Zweiter Tagesordnungspunkt, bei dem die Meinungen noch sehr unterschiedlich sind, ist auf der Synodensitzung der Bericht zur Kieler City-Kirche St. Nikolai. Das historische Gotteshaus am Alten Markt ist Anlaufpunkt für Kreuzfahrt-Touristen, Konzertort, Raum für repräsentative Veranstaltungen, genauso wie für Menschen, die wohnungslos sind und Hilfe suchen und vieles mehr. „Eine kleine Kirchengemeinde wie St. Nikolai mit gerade einmal 2000 Gemeindegliedern kann diese Aufgaben alleine nicht schaffen“, berichtet Pröpstin Almut Witt der Synode. Eine Arbeitsgemeinschaft habe deshalb nach intensiven Beratungen einen Vorschlag erarbeitet. Er sieht vor, dass die Citykirchenarbeit in einem ersten Schritt, Aufgabe des Kirchenkreises Altholstein wird, mit der entsprechenden finanziellen und personellen Ausstattung. Eine offene Frage sei noch, ob in einem zweiten Schritt der Kirchenkreis auch Eigentümer des Kirchengebäudes werde. Während ein Teil der Synodalen diesen Vorschlag mit Wohlwollen aufnimmt, fordern andere Anstrengungen, die Einnahmesituation von St. Nikolai zu verbessen. Auch die Idee für die Kirche Eintrittsgeld zu verlangen, kommt auf. Propst Stefan Block stellt vor dem Plenum klar, dass die Kirchengemeinde bereits heute eine klare Gebührenordnung für externe Veranstaltungen hat sowie über ein professionell aufgestelltes Fundraising verfügt. „Aber St. Nikolai ist nicht nur ein repräsentativer Ort, sondern auch ein missionarischer Ort, der diakonische und soziale Aufgaben wahrnimmt“, betont Block. Mit ersten Beschlüssen wird auf der Novembersynode im Rahmen der Haushaltsdebatte zu rechnen sein.

Pfarrsprengel / Kirchenland / Wahlen

Weitere Beschlüsse der Synode: Erstmals bilden sieben Kirchengemeinden in der Eiderregion einen sogenannten Pfarrsprengel. Die Pastorinnen und Pastoren sind somit nicht mehr einer speziellen Gemeinde, sondern dem ganzen Gebiet zugeordnet. Entschieden hat sich die Synode auch für „Empfehlungen zu nachhaltigen Pachtverträgen.“ Sie gibt Kirchengemeinden Kriterien an die Hand, wenn sie ihren Grund an Landwirte verpachten. Im Fokus auch hier der Klima- und Umweltschutz. So wird etwa ein Verbot von Pestiziden und Mineraldünger vorgeschlagen. Darüber hinaus soll es Pilotprojekte zur Wiedervernässung von Moorflächen geben und zur Neuanlage von sogenannten Agroforstsystemen.

Bei Nachwahlen bestimmt das Kirchenparlament Britta Reents aus der Kirchengemeinde Gadeland (Neumünster) zum stellvertretenden Mitglied des Kirchenkreisrates. In den Finanzausschuss wählt die Synode Pastor Lars Palme als Stellvertreter. Neu im Ausschuss für die Pfarrstellenplanung ist Pastorin Stefanie Kämpf aus Bordesholm.

Jürgen Schindler,