Jens Voß, Anne-Beke Sontag, Gotthold Häußermann (v. l.)
© Jürgen Schindler
Jens Voß, Anne-Beke Sontag, Gotthold Häußermann (v. l.)

325 Jahre und überhaupt nicht alt

Gleich drei Jubiläen in einem feiert die Kirchengemeinde Holtenau am 4. September.

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Ihre Kantorei wie auch den Bläserchor gibt es schon seit 100 Jahren, die Dankeskirche ist noch einmal 25 Jahre älter. Pastor Jens Voß wünscht sich, dass der ganze Kieler Stadtteil Holtenau dieses 325-Jahre-Jubiläum mitfeiert.

"Wir beginnen mit einem wunderbaren Gottesdienst um 11 Uhr in der Dankeskirche. Pröpstin Almut Witt hält die Predigt und die Kantorei singt eine Kantate."

Darauf freut sich Chorleiterin Anne-Beke Sontag schon besonders. Mit ihren 60 Sängerinnen und Sängern hat sie für die Feier das Werk "Halt im Gedächtnis Jesum Christ" von Johann Sebastian Bach einstudiert. Aufführung im Gottesdienst mit Orchester und allem drumherum. Von den 100 Jahren Chorgeschichte leitet sie die Kantorei seit genau 20 Jahren. "Und immer wieder bekomme ich Anrufe, weil jemand gerne bei uns mitsingen möchte", strahlt Sontag. Es gebe einen harten Kern aus Holtenauerinnen und Holtenauern, aber auch Menschen aus der Umgebung musizieren mit. "Ich denke, was die Kantorei attraktiv macht ist, dass wir sowohl im Gottesdienst singen als auch regelmäßig ein großes Werk aufführen." Das nächste Konzert hat die Chorleiterin bereits in Vorbereitung: Händels Messias.

Auf den Festgottesdienst mit Kantorei folgt am 4. September in Holtenau ein Jubiläumsfest, das Spiel und Spaß rund um die Dankeskirche verspricht. "Ehrenamtliche bringen Fingerfood mit, von Muffins bis Zwiebelkuchen", kündigt Pastor Jens Voß an. Jeder isst so viel er mag, gegen eine freiwillige Spende. Es gibt eine Hüpfburg, Turmführungen, Stockbrot mit den Pfadfindern, Musik von Bläser-, Kinder- und Gospelchor, einen Zauberer, Dosenwerfen - und einen neuen Kirchturm. "Ein Zimmermeister bringt Balken, Hammer und Nägel mit, und baut mit den Kindern einen Kirchturm, wahrscheinlich inklusive des ein oder anderen blauen Daumens", lacht Voß.

Diese Aktion hat sogar einen historischen Hintergrund: Der Sicherheit des nahem Flugplatzes wegen musste die Kirchengemeinde den Turm der Dankeskirche im Jahr 1935 um etwa die Hälfte kürzen lassen, von ursprünglich 52 auf heute 26 Meter Höhe. Dem Charme des Gotteshauses unweit der Förde und des Nord-Ostsee-Kanals hat das nicht geschadet. "Wir sind stolz, dass es bei uns so maritim zugeht", sagt Pastor Voß. Als vor einigen Jahren neue Altarbehänge angeschafft wurden, mussten natürlich auch die Motive entsprechend sein. Da gibt es einen Anker, Dorsche, ein Segelschiff und einen Stern, der auf See die Richtung weist. Von der Decke der Kirche hängen seit langer Zeit Steuerräder und Schiffsmodelle.

Die 125 Jahre alte Dankeskirche ist auch bei Hochzeitspaaren sehr beliebt. "Vielleicht auch, weil sie ein Gefühl von Stabilität und Geborgenheit ausstrahlt", vermutet Pastor Voß. Für Gotthold Häußermann ist sie von Anfang an geistliche Heimat geworden. Im Jahr 1977 kam er nach Holtenau, seit 1981 spielt er Posaune im Bläserchor. Der hat im 100. Jubiläumsjahr seines Bestehens Nachwuchssorgen. "Wir sind 17 Bläser, und die jungen Leute kommen uns meist nach dem Abitur wieder abhanden", meint Häußermann. Er selbst hat Spaß an den Auftritten im Gottesdienst und wenn er Heiligabend mit weiteren Bläsern aus Kiel an der Schleuse spielt. Auch auf dem Jubiläumsfest am 4. September gibt der Bläserchor um 12.30 Uhr ein kleines Konzert. "Das gehört einfach zu meinem Leben dazu. Ich freue mich auf die wöchentliche Probe, wegen der Musik und wegen der Leute, die ich dort treffe", sagt der Hobbymusiker.

Leiter des Bläserchors ist Udo Kahlenberg. "Dem besonderen Charisma von Udo Kahlenberg und von Anne-Beke Sontag verdanken wir es, dass Bläserchor und Kantorei so aktiv sind. Mit ihrer gewinnenden Art begeistern sie die Menschen und gehören zu den ganz wertvollen Schätzen unserer Kirchengemeinde", ist Pastor Voß überzeugt. Und so sind die drei Jubiläen in der Kirchengemeinde Holtenau eher am Rande ein Blick zurück, sondern viel mehr ein Blick voraus.

Jürgen Schindler,