Maren Schmidt, Alina und Jo Tein
© Jürgen Schindler
Maren Schmidt, Alina und Jo Tein (v. l.)

30 Jahre Straßenmagazin HEMPELS

Jubiläumsprogramm in der Offenen Kirche St. Nikolai Kiel

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Das Straßenmagazin HEMPELS feiert am Freitag, 11. Juli, ab 14 Uhr in der Offenen Kirche St. Nikolai Kiel seinen 30. Geburtstag. Im Mittelpunkt der zentralen Jubiläumsveranstaltung steht die Fotoausstellung „Menschen wie wir“. Sie zeigt Personen, die das Straßenmagazin in diesen drei Jahrzehnten besonders geprägt haben. Der Eintritt ist frei, Anmeldung bis zum 4. Juli an vertrieb@hempels-sh.de.

An der Jubiläumsveranstaltung, die Poetry-Slammer Björn Högsdal moderiert, nehmen unter anderem Silke Schiller-Tobies (Staatssekretärin Sozialministerium SH), Ulf Kämpfer (OB Kiel), Viggo Mastad (Vorstand Internationales Netzwerk Straßenzeitungen) und Pröpstin Almut Witt (Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein) teil. Für den musikalischen Rahmen sorgen Üze Oldenburg und Brendan Lewes.

„Wir wollten damals den Alltag armer und ausgegrenzter Menschen sichtbarer machen“, sagt Jo Tein, Vorsitzender des HEMPELS e.V. und einer der Gründerväter des Magazins. „Je mehr die Öffentlichkeit darüber erfährt, desto größer ist die Unterstützung, die dieser Personenkreis erfährt - das war unser Gedanke.“ Dieser entstand 1995 in einer Tageswohnung für Wohnungslose der Kieler Stadtmission, ein Jahr später erschien das erste von mittlerweile mehr als 350 Magazinen. „HEMPELS hat in Schleswig-Holstein seinen Beitrag für mehr Sichtbarkeit geleistet“, sagt Jo Tein. „Aber die Menschen, die am Rand unserer Gesellschaft leben, werden immer mehr. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir ihnen auch künftig eine Stimme geben. Unsere Aufgabe ist noch nicht beendet.“ 


Tein freut sich sehr darüber, dass die Jubiläumsveranstaltung in der St. Nikolaikirche ausgerichtet werden kann. „Das ist auch für die Unterstützung armer und ausgegrenzter Menschen ein besonderer Ort und der perfekte Rahmen für diesen Tag.“

Pastorin Maren Schmidt hat die Türen sehr gerne für dieses besondere Jubiläum geöffnet. Schließlich gebe es eine Schnittmenge von Menschen, die täglich in die Kirche kommen und auf der Straße HEMPELS verkaufen. „Da ist es gut und sinnvoll, voneinander zu wissen und sich zusammen zu tun, um die Frage nach sozialer Gerechtigkeit in die Mitte der Stadt und in die Mitte der Gesellschaft zu holen.“

Mit einem Blick auf die Anfänge des Christentums gehöre es quasi zur DNA der Kirche, die Menschen im Blick zu haben, die von Armut und Ungerechtigkeit betroffen seien. „Wir merken in der Offenen Kirche St. Nikolai täglich, dass die Not größer wird.“

Mit einer verkauften Auflage von durchschnittlich 14.000 Exemplaren erscheint HEMPELS monatlich in ganz Schleswig-Holstein. Angeboten wird es von rund 240 Menschen, die die Hälfte des Verkaufspreises von 3,20 Euro behalten dürfen. Menschen wie Alina. „Ich liebe es, HEMPELS zu verkaufen“, sagt die zweifache Mutter, die in Büdelsdorf das Magazin anbietet. „Die Einnahmen helfen uns als Familie sehr. Aber genauso wichtig sind mir die persönlichen Kontakte zu den Menschen, die es mir abkaufen - ich habe so viele neue Freunde gefunden.“

Rund fünf Millionen HEMPELS-Magazine sind in den vergangenen drei Jahrzehnten verkauft worden. Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt auf sozialen Themen. Besonderheiten sind die jeweils im Monat März erscheinende Studierenden-Ausgabe, die in Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität entsteht. Und die November-Ausgabe, die im Rahmen von Schreibwerkstätten produziert wird, die HEMPELS schon seit rund 15 Jahren mit Insassen der Justizvollzugsanstalten Neumünster und Lübeck durchführt.

Jo und Alina sind zwei der zwölf Personen, deren Porträts im Rahmen der Ausstellung „Menschen wie wir“ bis zum 27. Juli in der St. Nikolaikirche zu sehen sein werden. Die Fotos, aufgenommen von Holger Förster, werden über Lübeck (St. Marienkirche) und Husum (Stadtkirche St. Marien) schließlich nach Flensburg (St. Marienkirche) wandern.

Was steht sonst noch im Terminkalender des HEMPELS-Jubiläums?

Am 12. Juli lädt das Feuerwehrorchester des Amtes Eidertal vor St. Nikolai (ab 17 Uhr) zu einem Benefizkonzert ein. Am 15. Juli (18 Uhr) liest und spricht Autor Daniele Palu („Marconi und der verschwundene Wattschützer“), der unter anderem für die Straßenzeitung „Der TagesSatz“ geschrieben hat. Die fünfköpfige Kieler Band „LineWalkers“ erinnert am 18. Juli (19.30 Uhr) an Johnny Cash („Cash Goes Gospel“). Zwei Tage später (20. Juli, 10 Uhr) schließt der Gottesdienst "Seelsorge im Gefängnis" mit anschließendem Festmahl diese vierteilige Veranstaltungsreihe in der Offenen Kirche St. Nikolai ab.

Der Eintritt ist jeweils frei, um Spenden wird gebeten. Kostenlos ist auch der Kinder- und Erwachsenen-Workshop „Warum schläft der Mann da draußen?“ im Gewölbekeller des Warleberger Hofs (Dänische Straße 19, Kiel) am 22. Juli (16 Uhr).

Wolf Paarmann | Hempels,