Zwischen den Schubladen – Eine Glaubensgeschichte
© Jürgen Schindler
von Pastor Maximilian Kröger, Klosterkirchengemeinde Bordesholm
Manche Menschen passen in keine Schublade. Rahab gehört dazu: Prostituierte, Ausländerin, Lügnerin – und doch rettet sie die Kundschafter Josuas. Ausgerechnet sie!
Es ist faszinierend, wie sie unsere Schubladen durcheinanderbringt. Schnell etikettieren wir: „seriös“, „fragwürdig“, „gläubig“, „kirchenfern“. Rahab sprengt das alles. Sie lügt – und bekennt zugleich: „Der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel und auf Erden.“ Sie verrät ihre Stadt, rettet ihre Familie, und wird Teil des Stammbaums Jesu...
Rahab ist eine Zwischenfigur. Nicht richtig drinnen, nicht richtig draußen. Wenn ich an Kirche denke, gibt es heute viele Menschen, die so leben: der Mann, der seit Jahren nicht mehr in die Kirche geht, aber dort Kerzen anzündet; Eltern, die ihre Kinder zum Konfi-Unterricht schicken, selbst aber ausgetreten sind; oder Mitarbeitende in Kita und Diakonie, deren Arbeit vom Evangelium geprägt ist, obwohl sie sich kaum als Teil der Kirche fühlen. Menschen zwischen Welten, aber offen für Gottes Wirken an unerwarteten Stellen. Nicht richtig drinnen, nicht richtig draußen – auf der Schwelle eben. Schwellen sind bekanntlich Orte des Übergangs, des Ausprobierens, des Suchens. Das ist doch genau der Ort für Kirche. Wo wir lernen, Räume zu öffnen, in denen Glaube sichtbar wird, bevor jemand „drinnen“ ist, und mutige Schritte anerkennen, auch wenn sie unkonventionell sind. Und manchmal genügen kleine, unscheinbare Zeichen – wie die rote Schnur am Fenster in der Geschichte Rahabs –, um Hoffnung zu schenken und Gottes Liebe spürbar zu machen. Denn es zeigt sich, unsere selbst erdachten Grenzen sind nicht hermetisch. Gottes Geschichte bricht sich Bahn gerade dort, wo Übergänge geschehen. Das passt in keine Schublade. Bleiben Sie behütet.
