„Was glotzt ihr in den Himmel?! Ihr sollt Jesu Zeugen sein.“

Propst Stefan Block

© Anna Leste-Matzen

von Propst Stefan Block


Ich sitze auf einer Bank und strecke mich dem Blau des Himmels und den weißen Wolken entgegen. Die sommerliche Weite lässt meine Alltagssorgen einen Augenblick in den Hintergrund treten. Wie schön… „Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. So ein Tag, Herr, so ein Tag!“ Diese Zeile aus einem westafrikanischen Gebet kommt mir in den Sinn. Ja, in den Himmel zu schauen – da kann man Gott danken! Da schreckt mich mein Handy auf: Der nächste Termin, die neuesten Nachrichten: Klima-Erwärmung. Und Bomben fallen nicht weit von hier aus dem Himmel. Der friedliche Sommerhimmel – nur eine Illusion?

Zum Himmelfahrtsfest werden sich auf der sogenannten Klosterinsel in meiner Stadt Neumünster mitten im Grün Christinnen und Christen zum Gottesdienst versammeln. Sie werden wieder die alte Geschichte von der Himmelfahrt Jesu hören: Wie er vor den Augen seiner Freunde in den Himmel entschwunden ist. Eine fast rührende Geschichte von einer Wolke, die wie ein Raumschiff abhebt…

Aber was kann sie uns heute sagen? Da lese ich auch in der Bibel, wie den staunenden Jüngern damals gesagt wird: „Was glotzt ihr in den Himmel?! Ihr sollt Jesu Zeugen sein.“ Ja, der Blick auf himmlische Harmonie tut mal gut. Aber diese Worte bringen Schwung in mein Leben! Mobilisiert, sich mit Jesus für einen echten Frieden einzusetzen, gerade heute in der Welt, auch mit der Natur. Sicher, wir werden in der Kirche auch von Zweifel und Kleinmut überfallen: Wer will uns noch hören? Sind wir nicht auf dem Rückzug und unsere Kräfte viel zu gering? Doch da ist noch das andere Wort Jesu: „Ihr werdet Kraft von oben her empfangen, immer wieder neu!“ Das Versprechen vom Geist von Gott her, der uns beflügeln kann und wird. Ja, ich finde es schön, sich an Himmelfahrt mit anderen Christen so stärken zu lassen – hoffentlich unter einem blauen Himmel.