Vom Beginn aller Heilung

Pastor Marcus Book

© Jürgen Schindler

von Pastor Marcus Book, Kirchengemeinde Neumünster-Einfeld


Vor wenigen Wochen bekam ich einen Zettel in die Hand, eine Art Flyer, auf dem in großen Schlagworten die sogenannten „Sieben Todsünden“ aufgeführt waren. Wer auch immer dieses Blatt gedruckt und verteilt haben mag, er oder sie hatte offensichtlich das ernstgemeinte Anliegen, mich und andere zu warnen und auf den richtigen christlichen Weg zu lenken. Die große Frage nach einem gottgefälligen Lebenswandel beschäftigt Menschen auch ein halbes Jahrhundert nach Luther weiterhin. Dabei geht das Verständnis, was denn genau unter dem großen Stichwort „Sünde“ zu verstehen ist, nicht nur unter Christen weit auseinander. Noch dazu wird oft ja auch allerlei Volkstümliches mit hineingemischt, was zumindest mit dem biblischen Begriff wenig bis gar nichts zu tun hat.

Nun finden sich in der Bibel aber nicht nur Sündenkataloge, sondern auch und vielmehr Hinweise, wie Leben gelingen kann. So wie diese Geschichte: Jesus hilft einem gelähmten Mann auf die Beine, damit dieser zum Wasser eines Teiches gelangen kann. Das an sich wäre schon erstaunlich genug, doch tut Jesus dies ausgerechnet am Sabbat, dem jüdischen Feiertag, an dem er eine solche Heilung gar nicht vornehmen durfte. Er missachtet diese bedeutsame Regel, nicht aus einem rebellischen Anflug heraus, sondern weil er so einem anderen Menschen hilft – denn schaden tut er damit eigentlich niemandem. Natürlich ist der Feiertag dafür da, von sich und dem schnöden Alltag abzusehen und Gott in den Blick zu nehmen. Doch ist der für Jesus gerade in dem hilfsbedürftigen Mann zu sehen, den er, nebenbei bemerkt, zuvor noch nicht einmal kannte.

Jesus übertritt zwar ein wichtiges Gebot, aber er vermeidet so wohl eine der größten Sünden: Dass wir nicht aufeinander achten, wenn es an der Zeit ist.