Sommerloch

Corinna Weißmann-Lorenzen

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von Pastorin Corinna Weißmann-Lorenzen, Kirchengemeinde Bokhorst


Das Sommerloch war ursprünglich eine Zeit, in der die Medien weniger Nachrichten hatten, da viele Institutionen, wie z.B. Politik, Sport und Kultur eine Sommerpause einlegen. Diese Sommerlöcher werden gefühlt immer kürzer und flacher, denn dank Social Media, 24-Stunden-Nachrichten usw. wird uns keine Pause mehr gegönnt.

Das Leben auf der Welt macht keine Pause, auch wenn es guttun würde. Es ist an uns, uns diese Pausen zu nehmen und uns ein Sommerloch zu schaffen: Das Handy oder andere Endgeräte ausschalten, die Weltlage für einige Tage ausblenden, sich ganz auf die Familie, den Urlaub, das Leben mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten konzentrieren. Das ist einfacher gesagt, als getan und es gibt genügend Menschen, die das nicht machen können, weil sie Familie und Freunde in Kriegsgebieten haben oder weil ihr Leben gerade wegen unvorhersehbarer Ereignisse kopfsteht. So eine Pause vom Alltag, in welcher Form auch immer, kann uns für alles stärken, was dann im Alltag wieder auf uns wartet.

Auch Gott nahm sich solch eine Pause, als er die Welt erschuf, und Jesus zog sich immer wieder zurück, um für sich sein und Kraft tanken zu können, um nachzudenken, zu beten und mit sich und Gott zu sein. Wir brauchen auch solche Krafttankstellen, um uns zu sortieren, und dem Alltag gewachsen zu sein.

Diese Kraft finden einige im Gebet, in der Musik, die sie machen oder hören, in der Malerei, in der Natur oder in ihren vier Wänden. Sie sammeln Melodien für zu stille Stunden, fangen Farben ein, sammeln Sonnenstunden für dunkle Tage, bestaunen Wolkenbilder, hören Kinder lachen, essen Eis und denken darüber nach, was stärkt und guttut. Genau diese vermeintlichen Kleinigkeiten sind es, die einem Pause verschaffen und ein Sommerloch schenken.