Sie dachte, es sei der Gärtner
© Jürgen Schindler
von Pastor Christian Kröger, Propstei Süd
Das Johannesevangelium erzählt: Am frühen Morgen steht Maria Magdalena am Grab Jesu – weinend, suchend, verloren. Ein Mann tritt zu ihr. Sie hält ihn für den Gärtner. Erst, als er ihren Namen spricht – Maria! – erkennt sie ihn: Jesus, der Auferstandene.
Eine seltsame Verwechslung – und doch voller Bedeutung. Denn sie verweist auf mehr als einen Irrtum. Sie öffnet die Tür zu einer tieferen Wahrheit: Ostern beginnt in einem Garten. Wie einst im ersten Garten, im Paradies, wo Gott und Mensch einander nah waren, wo Leben, Fülle und Vertrauen regierten.
Mit dem Gärtner ist dieser Garten zurückgekehrt. Nicht das verschlossene Eden, sondern ein offener Ort des Neuanfangs. Dort, im frühen Licht des Ostermorgens, begegnen sich Gott und Mensch neu. Ohne Scham, ohne Vorwurf, aber auf eine zutiefst persönliche Weise – in der Ansprache des eigenen Namens, der nicht übersehen, sondern gerufen wird. Maria. – Rabbuni.
Alte Osterbilder zeigen Christus mit Spaten in der Hand. Nicht als König, sondern als Gärtner. Er gräbt um, lockert auf, pflanzt Hoffnung in erstarrte Erde. Er bereitet den Boden für eine neue Welt – eine Schöpfung, die mit Liebe beginnt.
Dieser Gärtner reicht uns das Werkzeug weiter. Die Auferstehung ist kein abgeschlossenes Ereignis. Sie ist Einladung. Auch wir können pflanzen, was Zukunft trägt: Versöhnung, Mitgefühl, Gerechtigkeit.
