Sich einmischen
© Jürgen Schindler
von Pastorin Maren Schmidt, Offene Kirche St. Nikolai
Wir haben die Wahl. Gerade haben wir eine neue Regierung gewählt und damit auch eine Richtung, wie wir in diesem Land zusammenleben möchten. Migration war eines der zentralen Wahlkampfthemen und hat die Gemüter auf unterschiedliche Weise erhitzt.
Neu sind diese Fragen allerdings nicht. Schon in biblischen Zeiten war Migration ein Thema, das die Menschen umgetrieben hat – selbst in der Fremde zu sein wie auch der Umgang mit Fremden im eigenen Land. Bezeichnenderweise stammt der Monatsspruch für den März aus dem Buch Levitikus und ist von bestechender Klarheit: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ (Lev 19,33f.)
Darf, kann oder muss Kirche sich zu politischen Fragen äußern, sich einmischen und einen Standpunkt beziehen? Auch das wird immer wieder hinterfragt und diskutiert. Wenn ich das Bibelwort des Monats lese, stellt sich diese Frage für mich allerdings nicht. Dann können wir gar nicht anders als hörbar und sichtbar für eine Politik und eine Gesellschaft einzutreten, in der Nächstenliebe und Menschenwürde nicht zur Plattitüde werden. Wie wir zusammenleben, das liegt vor allem in unserer Hand, in der Hand eines jeden einzelnen Menschen. Wir haben die Wahl – Gott sei Dank!
