Paulus im Sommer
© Jürgen Schindler
von Pastor Marcus Book, Kirchengemeinde Neumünster-Einfeld
Sommerzeit ist Hochzeitszeit. Gleich drei der Paare, die ich dieses Jahr trauen darf, haben sich einen echten Klassiker als Trauspruch ausgesucht: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Die Liebe steht im Mittelpunkt, und sie ist es, wofür es sich zu glauben und zu hoffen lohnt. Also ist dieser Spruch keine schlechte Wahl.
Als ich vor einigen Jahren einmal das Wagnis eingegangen bin, die paulinische Theologie mit Viertklässlern zu behandeln, habe ich versucht, ihnen die Begriffe Glaube, Hoffnung und Liebe mit dem Bild eines Hauses zu erklären: Ein Haus braucht eine tragfähige Basis. Das Fundament eines gelingenden Lebens ist für Paulus der Glaube.
„Glauben“ heißt eigentlich so viel wie „bedingungslos vertrauen“. Darum geht es in der Beziehung zu Gott, aber genau das ist auch die Basis einer gelungenen Beziehung zwischen zwei Menschen. Nach oben hin wird ein Haus bekanntlich mit einem Dach abgeschlossen. Es schützt das Innere vor dem Wetter da draußen, aber es weist auch nach oben, in den Himmel, in die unendliche Weite. So kann man den Begriff der Hoffnung verstehen: Sie weist über uns hinaus in die Zukunft, die wir nicht kennen, nur Gott. Die Hoffnung auf das, was kommen mag, öffnet unseren Blick nach vorn. Das eigentliche Leben findet im Haus zwischen Dach und Fundament statt. Und damit es gelingen kann, wird mehr gebraucht als ein warmer Ofen oder eine gemütliche Küche. Es bedarf eines guten Miteinanders.
Paulus hat seine Verse zunächst sicher nicht als Eheberatungsangebot für Jungvermählte gedacht. Es geht ums Ganze. Für Paare, für uns alle.
Einer meiner Schüler fasste es in seinen Worten zusammen: Vertraut auf Gottes Liebe und habt darum Hoffnung für die Zukunft. So einfach könnte das sein.
