Innentüren

Pastor Lars Palme

© privat

von Pastor Lars Palme, Leitung im Zentrum kirchlicher Dienste


Ich bin gespannt, was sich heute hinter dem zweiten Türchen verbirgt. Ich schaue den Adventskalender an, drehe ihn um und muss lächeln. Als Kind habe ich schon in den ersten Tagen versucht, die Schokolade aus dem 24. Türchen zu bekommen, ohne dass es jemand merkte. Taschenmesser, Schere und Klebstoff kamen zum Einsatz. „Mensch, war ich damals ungeduldig“, denke ich. Heute genieße ich die Adventszeit.

Ursprünglich eine Fastenzeit, durch die sich die ersten Christinnen und Christen auf die Feier der Geburt Jesu vorbereiteten. „Wie klug“, denke ich. Sie haben verzichtet, um etwas anderes zu ermöglichen. Ich öffne das zweite Türchen: „Aha, ein kleiner Schokoladenstern.“ Gedankenverloren findet die Schokolade ihren Weg zu meinem Mund. Ich zögere. „Eine Türe schließen, um eine andere zu öffnen?“ Langsam lege ich den Schokoladenstern wieder zurück und schließe das Türchen.

Ein Adventskalender für die Türen zum Herzen. Innentüren sozusagen, das brauche ich. Bei meinem Adventskalender vor mir auf dem Tisch weiß ich immer, was sich hinter den Türchen verbirgt. Öffne ich Gott die Türen zu meinem Herzen, ist es anders. Dafür braucht man Mut, Vertrauen und Zuversicht. 24 Tage lang habe ich Zeit zu üben, mutiger und vertrauensvoller zu werden. Tag für Tag. Ich atme tief und weiß: Gott steht vor unserer inneren Türe. Freundlich, geduldig, unaufdringlich. So, als wenn Gott sagen würde: „Ich bin da und wenn du magst, können wir uns begegnen.“