In der Fremde gestrandet

Pastorin Sabine Klatt

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Vor einigen Jahren blieb ich auf einer Urlaubsrückfahrt in München hängen. Ich hatte den Anschlusszug verpasst und musste mein Rad in der Bahn mitnehmen, aber die Reservierung dafür war natürlich weg, eine neue gab es erst in 8 Wochen wieder; das Deutschlandticket war neu, die Ferien ausgebrochen, die Züge überfüllt, Regionalzüge keine Lösung.

Also versuchte ich, das Rad als Gepäckstück aufzugeben. Der Weg zur Post fiel mir schwer, denn ich hatte mir einen Reisevirus aufgesackt, und es war kurz vor Feierabend. Wie sollte ich mich jetzt auf der Poststelle verständlich machen, wo ich doch mit Bayrisch meine liebe Mühe hatte? Ich fühlte mich total fremd, gestrandet im Unbekannten. Würde ich es noch nach Kiel schaffen, ohne mein geliebtes Fahrrad hierlassen zu müssen?

Auf der Post arbeiteten Afghanen. Sie waren sehr freundlich, sprachen Hochdeutsch mit mir, so ich konnte sie verstehen! Sie halfen mir. Ich fragte mich, wie ich mit einem Fremden umgegangen wäre, der kurz vor Feierabend noch etwas von mir wollte hätte.

Der 20. Juni, der Weltflüchtlingstag, fordert uns auf, uns in die Lage der Fremden zu versetzen. In der Bibel heißt es dazu: „Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen…!“ 5. Mose 10, 19.