Gleichgewicht
© Jürgen Schindler
von Pastor Lutz Damerow, Wichern-Kirchengemeinde Neumünster
Vor einiger Zeit habe ich mich am Einfelder See auf ein SUP gestellt. Mit dem Paddel in der Hand und ein Brett unter den Füßen. Erst dachte ich, das wird wackelig. Aber egal, ich habe es probiert und als ich losfuhr, wurde es erstaunlich stabil. Ich musste mich gar nicht mehr pausenlos darauf konzentrieren, nicht ins Wasser zu fallen. Irgendwann dachte ich: Kennst du, diese Erfahrung! Ist beim Radfahren ja auch nicht anders. Wer könnte schon auf einem stehenden Fahrrad das Gleichgewicht halten? Schwierig. Aber wenn man Geschwindigkeit aufnimmt, macht man sich ums Gleichgewicht kaum noch Gedanken.
Eine christliche Sozialarbeiterin aus Frankreich namens Madeleine Delbrel (1904-1964) hat mich mit wunderbaren Worten daran erinnert, dass es sich mit dem christlichen Glauben, also unserem Vertrauen in Gott, ganz ähnlich verhält. Ohne Bewegung, ohne Schritte des Vertrauens fühlt sich mein Glaube ziemlich wackelig an. Zögerliche Grübeleien oder Verharren im Vergangenen, helfen mir nicht dabei seine Gegenwart zu erleben. Danke Madeleine, du machst mir Mut, mich in den Schwung seiner Liebe hineinzugeben!
„`Immer weiter!‘ sagst du zu uns in allen Kurven des Evangeliums. Um die Richtung auf dich zu behalten, müssen wir immer weitergehen, selbst, wenn unsere Trägheit verweilen möchte. Du hast dir für uns ein seltsames Gleichgewicht ausgedacht, ein Gleichgewicht, in das man nicht hineinkommt und das man nicht halten kann, es sei denn in der Bewegung. Im schwungvollen Voran. Es ist wie mit einem Fahrrad, das sich nur aufrecht hält, wenn es fährt; ein Fahrrad, das schief an der Wand lehnt, bis man sich darauf schwingt und schnell auf der Straße davonbraust.…Wir können uns nur aufrecht halten, wenn wir weitergehen, wenn wir uns hineingeben in den Schwung deiner Liebe.“
