Glauben wie ein Kind

Diana Wegener

© Jürgen Schindler

von Pastorin Diana Wegener, Claus-Harms-Kirchengemeinde Kiel


Kinder können etwas, das wir Erwachsenen oft verlernt haben: Sie vertrauen. Sie glauben, dass jemand ihre Hand hält, dass am Ende alles gut wird, dass es Sinn hat, Fragen zu stellen. Ein Kind fragt ohne Scheu: „Warum ist der Himmel blau?“ oder „Wo wohnt Gott?“ – und erwartet eine Antwort, die ehrlich ist.

Der heutige Weltkindertag erinnert uns daran, dass Kinder Rechte haben. Sie brauchen Schutz, Geborgenheit, Bildung – aber auch jemanden, der sie ernst nimmt. In der Bibel stellt Jesus ein Kind mitten in die Menge und sagt: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Damit meint er nicht Naivität. Er meint: Gottvertrauen. Ein Vertrauen, das keine Beweise verlangt, sondern sich einfach hineinfallen lässt.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Weltkindertags: Wir sollen nicht nur für Kinder sorgen, sondern auch von ihnen lernen. Wer mit Kinderaugen sieht, entdeckt, wie kostbar die Welt ist. Wer mit Kinderherzen glaubt, findet eine Freiheit, die kein Leistungsdruck nehmen kann. Gerade in einer Zeit, in der Kinder oft unter Druck geraten – durch Schule, Erwartungen, Unsicherheit – können wir als Gesellschaft ein Zeichen setzen: Sie sind keine kleinen Erwachsenen, die funktionieren müssen. Sie sind geliebte Geschöpfe Gottes.

Und wenn wir sie ernst nehmen, wenn wir uns an ihnen orientieren, dann öffnet sich vielleicht auch für uns der Blick: hin zu einem Glauben, der nicht kompliziert ist, sondern schlicht und lebendig – wie bei einem Kind.