Gerechtigkeit macht glücklich

Inga von Gehren

© Jürgen Schindler

von Pastorin Inga von Gehren, Trinitatisgemeinde Kiel


„Das ist ungerecht!“ – Wenn eines unserer Kinder diesen Satz zu Hause sagt, sind wir als Eltern gefragt. Gehen wir darüber hinweg, führt uns das oft dahin, wo wir nicht hinwollen: Wut steigert sich, es gibt Spannungen und manchmal hässlichen Streit. Und dann möchte keiner mehr mit dem anderen am Tisch sitzen. Wenn wir die Ungerechtigkeit dagegen klären, dann hat das eine tiefe, befriedende Kraft. Wir fühlen wir uns wieder verbunden und die Stimmung wird gelöst und entspannt. 

Was im Kleinen am Küchentisch gilt, gilt auch im Großen einer Gesellschaft: Wer sich benachteiligt fühlt, wendet sich ab oder wird wütend. Große Ungleichheit spaltet und schafft Unfrieden. Die drohende Klimakrise ist wie ein Brennglas auf diese Tatsache. Sie wird hauptsächlich verursacht durch übergroßen Reichtum und rücksichtlosen Lebensstil von relativ wenigen Vermögenden. Die leidvollen bis tödlichen Folgen treffen am meisten die vielen Armen. Die Hauptverursacher hingegen können sich abschotten oder freikaufen. Das ist ungerecht. Gehen wir darüber hinweg, führt uns das dahin, wo wir nicht hinwollen. 

Untersuchungen zeigen: Gesellschaften sind entspannter, gesünder und toleranter, wenn der Abstand zwischen Arm und Reich gering ist. Menschen kämen gut klar mit einem rücksichtsvollen Lebensstil, wenn der für alle gleich gelten würde. Wo Gerechtigkeit herrscht, da wächst Vertrauen, entsteht Verbundenheit und Zufriedenheit. 

In der Bibel heißt es: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“ (Sprüche 14,34). Das ist mehr als ein moralischer Appell – es ist einfach eine uralte Erfahrung: Gerechtigkeit macht glücklich.