Eine Frage der Perspektive
© Jürgen Schindler
von Pastorin Daniela Meyer | Heiligengeistgemeinde Kiel
Wann fühlst du sie, die Dankbarkeit? Wenn Du von einem Termin zum nächsten hetzt. Wenn du abends an deinem Handy sitzt und durch die Nachrichten scrollst. Wenn dir der Topf mit Tomatensoße auf den Boden fällt. Oder wenn die Nächte auf einmal wieder kalt werden, die Heizung anspringt und du dich fragst, wo der Sommer geblieben ist?
Kannst Du Dankbarkeit fühlen, wahrnehmen, annehmen? Wenn ein Mensch zwischen den Terminen an dir vorbeigeht und dich anlächelt. Wenn jemand abends neben dir sitzt und deine Hand hält beim Nachrichten schauen – oder wenn jemand dich abends anruft, um etwas zu erzählen oder nach dir zu fragen. Das Glück, mit Lebensmitteln etwas kochen zu können. Einen Ort des Rückzugs und der Wärme in kalten Zeiten zu haben.
Dankbarkeit zu fühlen bedeutet nicht, dass alles um dich herum perfekt ist. Aber die Perspektive auf dein Leben, dein Umfeld, deine Möglichkeiten macht aus, wie du durch das Leben gehst und welche Gedanken in deinem Herzen wohnen dürfen. Trotz und mit allem, was in der Welt los ist.
Dankbarkeit kann gefühlt werden, wenn ich mich als Teil eines großen Ganzen sehe und darin sein darf. Dankbarkeit kann wachsen in Beziehungen. Zwischen mir und anderen Menschen. Zwischen mir und der Welt. Und vielleicht auch: zwischen mir und Gott. Dankbarkeit – eine Frage der Perspektive.
