Der weinende Jesus

Stefan Block

von Propst Stefan Block


Mit dem Palmsonntag, dem 2. April, treten wir ein in die sogenannte "Stille Woche". Vielen Menschen heute ist das fremd. Doch ich möchte Sie einladen sich einmal darauf einzulassen, individuell und auch gemeinsam: Das ganze Jahr über ist Zeit für das Laute. Doch in dieser Woche darf Stille sein. Zeit zum In-sich-gehen, zum Hinschauen, auch auf die dunklen Seiten des Lebens: um uns und in uns. Um daraus dann neu aufzubrechen zum Leben!

Zum Palmsonntag gehört für mich auch eine eher unbekannte Erzählung der Bibel. Wir treffen da auf Jesus an einem Hang nahe der Stadt Jerusalem. Er, der gerade noch Menschen fasziniert hat in seinen Worten und Taten, dem die Menschen eben noch zugejubelt haben, sitzt dort mit Blick auf die berühmte Stadt - und weint. "Wenn du doch erkennen würdest, was dem Frieden dient!" So seine Worte.

Jesu Tränen, Jesu Worte - sie berühren mich. Denn seine Tränen und Worte gelten nicht allein jener Stadt, die bis heute für viele ein faszinierender Sehnsuchtsort ist, aber auch immer wieder ein Ort erschreckender Nachrichten. "Wenn ihr Menschen doch erkennen würdet, was dem Frieden dient!"  Das gilt doch aller Welt und auch mir. Und ist nicht nur anklagend, sondern zuerst ein Ausdruck tiefer Traurigkeit: Ja, wenn wir Menschen heute bloß erkennen würden, was dem Frieden wirklich dient – und danach handeln könnten!

Einfache Antworten helfen da oft nicht weiter. Aber vielleicht das Angebot der kommenden Woche: mit Stille, offenen Kirchen, Gebeten. Mit Zeit, um in uns neu Raum zu schaffen für diesen Friedensstifter Jesus. Und für das ungläubige Staunen zu Ostern am leeren Grab: „Was, Jesus lebt? Mit ihm auch ich???“ Ja, wie schön wär‘ das denn?!! Verrückt! Doch Gott macht es möglich - und auch neue Wege zum Frieden.